Erhalt der Lehrerstunden am Schulbiologiezentrum

Der Widerstand gegen die Kürzung beim Schulbiologiezentrum muss weitergehen

Seit Generationen klagen Eltern in Deutschland über Unterrichtsausfall. Spätestens seit PISA kommt kein Politiker, keine Politikerin mehr umhin, immer wieder zu betonen, dass mehr Mittel für die Bildung eingesetzt werden müssen und dass grundlegende Änderungen in den Schulen notwendig sind, um individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler zu erreichen.
In Niedersachsen wurde der Mangel an Lehrkräften in diesem Jahr so offensichtlich wie nie zuvor. So begann das Plündern: Um die rein quantitative Unterrichtsstatistik zu verbessern, werden auch qualitative Verschlechterungen ohne Hemmungen in Kauf genommen.

Ein Leuchtturm in Deutschland im Bereich ganzheitliche Bildung in Sachen Umwelt und Naturwissenschaften ist seit über 30 Jahren das Schulbiologiezentrum in Hannover mit Freiluftschule, Zooschule und zwei Botanischen Schulgärten in Burg und in Linden. Nur wenige GrundschülerInnen Hannovers haben die Chance nicht gehabt, eine Woche im herrlichen Wald der Freiluftschule Natur "begreifen" zu können. Hunderte Familien strömen Jahr für Jahr an Sonntagvormittagen in den Botanischen Schulgarten Burg mit Angeboten für Menschen aller Altersklassen, von 4 Jahren bis hin zu Erwachsenen. Generationen von Lehrkräften haben an Kursen im Botanischen Schulgarten Burg während ihres Studiums und bei "Minikursen" in Begleitung ihrer Arbeit in den Schulen teilgenommen. Generationen von Lehrkräften haben Pflanzen, Material und Tiere entliehen, haben mit thematisch aufbereiteten Pflanzenlieferungen gearbeitet und mit Hilfe der von der Homepage www.schulbiologiezentrum.info heruntergeladenen Arbeitshilfen ihren Unterricht lebendig gestaltet.

Umso überraschender kam in der letzten Sommerferienwoche die Botschaft aus dem Kultusministerium, dass 25 von 95 Lehrerstunden im Botanischen Schulgarten Burg und in der Freiluftschule gestrichen werden sollen. Und zwar bereits zu Schuljahresanfang.

Verschärft würde die Kürzung durch die Auflage, dass in Zukunft sich die an das Schulbiologiezentrum abgeordneten Lehrkräfte zwischen Stammschule und Schulbiologiezentrum aufteilen sollen, sodass sie nur noch an 2 - 3 Tagen im Schulbiologiezentrum zu erreichensein würden.

Begründet wurde die Maßnahme mit der geltenden Arbeitszeitverordnung. Dabei wurden die bisherigen Arbeitsbedingungen der Lehrkräfte durch eine Vereinbarung zwischen der damals zuständigen Bezirksregierung und dem Schulbiologiezentrum auf der Grundlage eben dieser Verordnung geregelt!

Das vollständige Unverständnis der Landesregierung für die Arbeit des Schulbiologiezentrums wird alleine schon in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage deutlich: "Durch die Kürzungen werden zukünftig im geringen Umfang weniger Schulklassen durch Lehrkräfte begleitet werden können. Das schließt jedoch eine Betreuung der Schulklassen durch Angestellte des Zentrums nicht aus."

In zahlreichen Gremien wurden die Kürzungsmaßnahmen bisher diskutiert. Schulleiter von Gesamtschulen, Grundschulen, der Regionselternrat, Elternvertreter, Gesamtkonferenzen einzelner Schulen sprachen sich dagegen aus.

Der Lehrerbezirkspersonalrat legte Widerspruch ein , was den Prozess erst einmal stoppte. Seitdem arbeiten wir so weiter wie bisher, müssen aber darauf gefasst sein, dass die Kürzungen endgültig beschlossen werden..

Beim Umweltforum am 30.08.2009 wurde eine Unterschriftenaktion gegen die Kürzungen gestartet, die bisher über 3.300 Unterschriften eingebracht hat.

Die Konsequenzen der Kürzungen

Der "geringe Umfang" in dem die Betreuung von Schulklassen nach Ansicht des Ministeriums eingeschränkt würde, hätte jedoch in der Praxis einschneidende Folgen:

  • Verstärkte Belastung der drei Lehrkräfte durch das Pendeln zwischen den beiden Arbeitsplätzen
  • Kürzung des Betreuungsangebots an die Schulen von bisher jährlich 2 Tagen.
  • Kürzung der naturwissenschaftlichen Fortbildung für Lehrkräfte und Erzieher/innen.
  • · Kaum noch pädagogische Betreuung der Leihstelle möglich.
  • Nur noch eingeschränkte Beratung von Lehrkräften.
  • Keine regelmäßige Begleitung und Beratung von Studienseminaren, Studierenden und SchülerpraktikantInnen.
  • Einschränkung der Betreuung junger Menschen im Freiwilligen ökologischen Jahr (FÖJ).
  • Nur noch eingeschränkte Erarbeitung von Arbeitshilfen und Betreuung von Pflanzenlieferungen.
  • Keine Pflege der Internetseite mehr.

Das pädagogische Fundament der Einrichtung wird entscheidend beschädigt.

Mehr Informationen, Zeitungsartikel, Stellungnahmen, etc. finden Sie auf www.stadtelternrat-hannover.de

Die Kürzung der Lehrerstunden im Schulbiologiezentrum ist daher nur aufgeschoben, nicht aufgehoben. Der Kampf gegen diese Kürzung muss weitergehen.

Hans-Dieter Keil-Süllow

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