stufenweise Reduzierung der Klassengrößen in den Grundschulen
Status: Status: in der Sitzung angenommen (04.12.2025)
Antragstext
Die AfB Region Hannover fordert die Landtagsfraktion der SPD Niedersachsen auf, sich für eine Reduzierung der Teilungsgrenze im Klassenbildungserlass von 26 auf 20 Schüler:innen pro Klasse einzusetzen, um bei wachsenden Herausforderungen die Chancengleichheit für alle Kinder zu gewährleisten.
Begründung
Die Situation an den Grundschulen hat sich seit der Jahrtausendwende massiv verändert. Die Schülerschaft ist zunehmend heterogen geworden: Ein Teil der Erstklässler:innen kann mit Eintritt in die Schule bereits lesen und schreiben, andere verstehen überhaupt nicht, was von ihnen erwartet wird und sind bzw. fühlen sich bereits abgehängt, bevor die Schule überhaupt richtig begonnen hat. Die Anzahl der Schüler:innen, die bereits die 1. Klasse wiederholen, hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Ebenso sprechen die Schuleingangsuntersuchungen eine deutliche Sprache: Verhaltensauffälligkeiten, Konzentrationsschwierigkeiten, Probleme mit der Feinmotorik, Sprachdefizite sind nur einige Herausforderungen, die sich in den letzten Jahren massiv verstärkt haben. Für die Altersgruppe der 0- bis 3-Jährigen liegt die Betreuungsquote in Niedersachsen bei gut einem Drittel, während ca. jedes 10. Kind keine KiTa besucht. Allseits kritisiert wird die völlig unzureichende Sprachförderung im vorschulischen Bereich.
Anderseits hat die Bitkomstudie jüngst gezeigt: Drei Viertel der Erstklässler:innen sind online, bei den 11-Jährigen steigt die Quote dann auf 95%. In der Grundschule sitzen die unterschiedlichsten Schüler:innen mit den unterschiedlichsten Bedürfnissen, verschiedensten Sprachen und unterschiedlichsten Leistungsniveaus nebeneinander und haben mit ihren Eltern die unterschiedlichsten Erwartungen an die Lehrkräfte. Mit all diesen vielfältigen Herausforderungen haben es Grundschullehrkräfte zu tun. Und diese haben vor diesem Hintergrund jede Woche ihre Unterrichtsstunden vor- und nachzubereiten, Elterngespräche zu führen, sich mit Kolleg:innen abzusprechen und eine Vielzahl weiterer Aufgaben zu erledigen. Es ist erfreulich, dass die rot-grüne Landesregierung mit der Anpassung bei der Besoldung auf A13 bereits eine langjährige Ungleichbehandlung behoben hat.
Angesichts der beschriebenen Situation sollte durch die Reduzierung der Klassengrößen ein weiterer Schritt getan werden, den ständig zunehmenden Bildungsdefiziten entgegentreten zu können. Seit langer Zeit sind in Deutschland die Grundschulen unterfinanziert, obwohl hier die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Der Anspruch auf gleiche Startchancen für alle kann nur verwirklicht werden, wenn massiv in die Bildung im vorschulischen und Grundschulbereich investiert wird.