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Eberhardt Brandt, Vorsitzender der GEW Niedersachsen

3. März 2010: GEW: Städte und Gemeinden setzen weiter auf neue Gesamtschulen

„Großstädte wie Gemeinden in den Landkreisen setzen verstärkt auf die Einrichtung von Integ­rierten Gesamtschulen. Sie entsprechen damit den Erwartungen der Grundschuleltern, die eine Schule wünschen, die alle Bildungsgänge beinhaltet und auch den direkten Weg zum Abitur offen hält“, so fasst Eberhard Brandt, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Niedersachsen das Ergebnis einer Beratung am 3. März 2010 in Hannover zusammen.

GEW im Gespräch mit Schulträger-Experten: Haupt- und Realschulen sind keine Alternative / Kritik an Störungen beim Genehmigungsverfahren

„Großstädte wie Gemeinden in den Landkreisen setzen verstärkt auf die Einrichtung von Integ­rierten Gesamtschulen. Sie entsprechen damit den Erwartungen der Grundschuleltern, die eine Schule wünschen, die alle Bildungsgänge beinhaltet und auch den direkten Weg zum Abitur offen hält“, so fasst Eberhard Brandt, der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Niedersachsen das Ergebnis einer Beratung am 3. März 2010 in Hannover zusammen, bei der Experten von Schulträgern vor GEW-Mitgliedern aus kommunalen Schulausschüssen ihre Sicht auf die jüngste Entwicklung dargelegt haben. Die GEW-Vertreter wollen die Erfahrungen der Kommunalpolitiker aufnehmen, um die Gesamtschulgründungen effektiver zu betreiben. Die neueste Rechtslage zur kommunalen Schulentwicklung hatte Dr. Dieter Galas, ehemaliger Ministerialdirigent und GEW-Landesvorsitzender, referiert. „Es ist kein Zufall, dass Vorsitzende von Stadtelternräten mit den Lehrervertretern zu der Fachtagung gekommen waren“, kommentiert der GEW-Vorsitzende. „Eltern und GEW arbeiten vor Ort immer enger zusammen.“

Bis zu 19 Neugründungen von Gesamtschulen am 1. 8. 2010 werden erwartet, so Brandt. Die Gründungswelle gehe auch 2011 weiter, wie die Nachfrage von Schulträgern zeige. Wahr­scheinlich wird es dann halb so viele Gesamtschulen wie Gymnasien geben.

Heftige Kritik gab es bei vielen Gesamtschulgründungen an der Dauer des Genehmigungsver­fahrens. Offenbar hätten etliche Anträge wochenlang auf einem Schreibtisch in der Landes­schulbehörde gelegen, nachdem sie von den zuständigen Fachdezernaten zügig bearbeitet worden waren. Auch im Kultusministerium sei die Genehmigung und die Einsetzung der Planungsgruppen akkurat und schnell erledigt worden. „Wenn es zutrifft, dass die Genehmigungs­verfahren aus politischen Gründen verschleppt wurden und dass aus dem Umfeld der Regierungsfraktionen versucht wurde, in das Genehmigungsverfahren einzugreifen, wäre das ein Skandal und offenbarte ein problematisches Verhältnis zu gültigen Rechtsbestimmungen“, urteilt der GEW-Vorsitzende und fordert das Ministerium auf, für ordentliche Verfahren zu sorgen. Es dürfe nicht sein, dass viele Planungsgruppen ihre Arbeit erst sehr spät aufnehmen können und dass die Gründung der Gesamtschulen massiv beeinträchtigt wird.

2010-03-03-michael-klie-500 Foto: GEW
In der Landeshauptstadt Hannover zieht eine Gesamtschulgründung die nächste nach sich, berichtete Michael Klie, Bildungspolitischer Sprecher der SPD-Ratsfraktion.

Auch andere Groß­städte sähen neben Gesamtschulen und Gymnasien kaum noch Bedarf der Eltern an Haupt- und Realschulen. Zwischen Gymnasien und Gesamtschulen bestehe ein durchaus konstrukti­ver Wettbewerb um den besseren Weg zum Abitur, wie die Anmeldezahlen zu den Gesamt­schulen belegten.

In vielen Landkreisen gibt es einen breiten Partei übergreifenden Konsens, dass Gesamtschu­len die einzige Möglichkeit bieten, bei den zurückgehenden Schülerzahlen Schulen in der Region, wenn auch nicht in jeder Gemeinde, zu erhalten. Diese Erfahrung berichtete Eva Burdorf, bis vor kurzem aktive 1. Kreisrätin des Landkreises Schaumburg. Zu den vier im Land­kreis bestehenden IGSen käme mindestens eine weitere. Zwei weitere Städte hätten Anträge gestellt. „Es gibt unter den Kommunen einen Streit, wer die Gesamtschule bekommt. Wenn die Landesregierung nicht vorgeschrieben hätte, dass mindestens fünf Parallelklassen im 5. Jahr­gang eingerichtet werden müssen (135 bis 150 Schülerinnen und Schüler), wären beide Städte zum Zug gekommen, so wie alle kommunalpolitischen Kräfte und die Eltern es wollen.

Rüdiger Woltmann, Samtgemeindebürgermeister aus Bothel im Landkreis Rotenburg (Wümme) ,setzt sich seit langem vehement für eine IGS ein. Er legt Wert darauf, nicht an eine Partei ge­bunden zu sein. Die CDU-Mehrheitsfraktion in Bothel sei sich mit den anderen Parteien einig, eine Gesamtschule müsse dringend gegründet werden. „Nur so können wir uns eine attraktive Schule in Bothel vorstellen, die auch für die Eltern interessant ist, deren Kinder sonst den wei­ten Weg zum Kreisgymnasium wählen würden. Ohne diese Eltern wäre eine Schule auf die Dauer nicht lebensfähig.“ Woltmann hat kein Verständnis dafür, wenn der Gemeinde Bothel eine IGS nicht genehmigt wird, obwohl die Eltern eindeutig dafür sind und obwohl die beste­hende Haupt- und Realschule ein gutes Gesamtschulkonzept vorgelegt hat und eine pädagogi­sche Aufbruchstimmung ausstrahlt.

Helmut Ringe, Vorsitzender des Schulausschusses im Landkreis Rotenburg, berichtet, dass acht Gemeinden in Übereinstimmung mit den Eltern eine IGS wünschen – parteiübergreifend bei CDU-Mehrheiten. Dazu komme ein großes Elterninteresse in der Kreisstadt Rotenburg. Die örtliche Kritik an den restriktiven Vorschriften zur Gesamtschulgründung sei äußerst massiv, weil trotz des überragenden Elternwillens (65 Prozent) keine einzige IGS genehmigt wurde. „Das nimmt bei uns keiner hin! Wir müssen als Schulträger Gestaltungsfreiheit für Gesamt­schulen haben, wie es den alten Vorschriften entspricht. Vierzügigkeit, im Ausnahmefall Dreizü­gigkeit. So muss auch die Neuregelung aussehen, die jetzt auf dem Tisch der Kultusministerin liegt.“ Einmütig, mit den Stimmen des Landwirtschaftsministers Ehlen und des Landrates Luttmann, Ehemann der Sozialministerin im Kabinett Wulff, hat der Kreistag die Landesregie­rung aufgefordert, die Verordnung über die Schulgrößen dem Bedarf der Kommunen anzupassen. „Wer das nicht fordert, hat bei den Kommunalwahlen 2011 bei uns keine Chance“, so Helmut Ringe.

Nach den Eingangsstatements gab es in der vom GEW-Schulfachmann Henner Sauerland geleiteten Diskussion einen regen Gedankenaustausch. Dabei gab es auch Anregungen für die Umsetzung der Inklusion und der Grundschulreform. „So gehen wir gestärkt an die aktive Arbeit vor Ort“, lautet Sauerlands Resümee der Fachtagung.

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